Hintergrund

1.     Ausgangssituation:
Die Finanzierung der Thüringer Hochschulen obliegt dem Bundesland Thüringen. Dessen finanzielle Lage macht es erforderlich, die vorhandenen finanziellen und sächlichen Ressourcen möglichst ökonomisch und zielgenau einzusetzen. Dies beinhaltet eine Optimie- rung der Lenkungs- und Steuerungsprozesse innerhalb der Hochschulen. Ein wesentliches Instrument hierfür ist das interne und externe Rechnungswesen. Das vorhandene kameralistische Rechnungswesen ist nur bedingt geeignet, diesen Optimierungsprozess zu unterstützen. Dem hingegen dient das kaufmännische Rechnungswesen bereits seit Jahrhunderten der Ressourcensteuerung und des Informationsmanagements in den Unternehmen.

Darüber hinaus muss über die Verwendung von öffentlichen Mitteln Rechenschaft abgelegt werden, da der Bürger als Steuerzahler einen Anspruch auf eine möglichst effiziente Mittelverwendung hat. Auch dafür ist die Kameralistik nur bedingt geeignet, da nur Ein- und Auszahlungen dokumentiert werden, nicht hingegen der Bestand an Sach- und immateriellem Vermögen sowie von Schulden und Forderungen. Auch hierfür hat sich das kaufmännische Rechnungswesen im privatwirtschaftlichen Bereich bewährt.

Deshalb haben die Thüringer Hochschulen entschieden, das kaufmännische Rechnungs- wesen als Leitsystem einzuführen

2.     Vorgehen:
Derzeit findet an der FH Jena die Umstellung von der Kameralistik auf das kaufmännische Rechnungswesen statt. In einem ersten Schritt erfolgen die Einführung der Finanzbuchhaltung (doppelte Buchhaltung) und die Erstellung von handelsrechtlichen Jahresabschlüssen entsprechend den Vorschriften des Handelsgesetzbuches für große Kapitalgesellschaften.
In einem zweiten Schritt wird die hochschulweite Kosten- und Leistungsrechnung sowie ein Controllinginstrumentarium zur Steuerung der Hochschultätigkeit sowie des zu- grundeliegenden Ressourceneinsatzes entwickelt.
Der Kompetenzkreis „Hochschulrecht, -rechnungswesen und -besteuerung“ hat die Auf- gabe, diesen Prozess aus wissenschaftlicher Sicht zu begleiten. Teilaufgaben sind dabei die Klärung von bilanzrechtlichen und bilanzsteuerrechtlichen Zweifelsfragen sowie die Betrachtung im Kontext des Hochschulrechts, des Zivilrechts und des Steuerrechts.

Eine zweite Aufgabe des Kompetenzkreises „Hochschulrecht, -rechnungswesen und -besteuerung“ besteht in der Einbettung des Hochschulrechnungswesens in den staats- theoretischen Bezugsrahmen sowie die Erarbeitung der staatstheoretischen Begründung / Legitimation für das Berichtswesen (Adressaten, Art der Berichte, Informationsinteressen, Informationspflichten).

Die dritte Aufgabe des Kompetenzkreises besteht in der Erarbeitung von Vorschlägen zur Weiterentwicklung von Rechtsnormen im Hinblick auf Rechnungslegung, Besteuerung und hochschulrechtliche Rahmenbedingungen auf Basis des staatstheoretischen Bezugs- rahmens.

3.     Themen im Mittelpunkt:
Das zunächst beherrschende Thema im Kompetenzkreis ist, für die FH Jena die Finanzbuchhaltung funktionsfähig einzurichten und die Eröffnungsbilanz sowie die laufenden Jahresabschlüsse zu erstellen.

Im nächsten Schritt soll die Entwicklung und Implementierung eines Kostenrechnungssystems sowie eines Grundinstrumentariums des Controllings vom Kompetenzkreis „Hochschulrecht, -rechnungswesen und -be­steu­erung“ wissenschaftlich fundiert und praxisorientiert begleitet werden.

Zur hochschul- und länderübergreifenden Diskussion erster Ergebnisse ist mittelfristig ein wissenschaftliches Kolloquium geplant.

4.     Forschungsbezug:
Es existieren bisher noch keine spezifischen Standards für das Hochschulrechnungswesen. Vielmehr wurden bisher die Regelungen und Standards für Kapitalgesellschaften unreflektiert übernommen. Mit der Entwicklung solcher hochschulspezifischen Rechnungswesenstandards betritt der Kompetenzkreis „Hochschulrecht, -rechnungswesen und -besteuerung“ wissenschaftliches Neuland im Bereich des externen Rechnungs- wesens. Im Bereich des internen Rechnungswesens kann bei der Gestaltung der hauseigenen Kosten- und Leistungsrechnung sowie des ergänzenden Controllinginstru- mentariums ebenfalls nicht unreflektiert auf die Methoden der privatwirtschaftlichen Unternehmen zurückgegriffen werden. Es bedarf hier entsprechender Anpassungen, die in ihrer letztendlichen Ausprägung in allgemein gültige Standards überführt werden sollen.

Während der gerade beschriebene Forschungsansatz praxisorientiert ist, soll in einem theorieorientierten Forschungsansatz die Einbettung des Hochschulrechnungswesens ins allgemeine Hochschulrecht, Bilanzrecht und Steuerrecht erarbeitet werden.